Vereinigung Liberaler Ärzte e.V. (VLÄ) -

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Dienstag, 7. September 2010

Ziele der VLÄ



Als Liberale treten wir ein für eine pluralistische Gesellschaft, deren Grundlage die Achtung der Würde des Individuums und die freie Selbstbestimmung des Einzelnen ist, im Rahmen eines demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesens.. Wir betrachten dies als die Voraussetzung für echte soziale Gerechtigkeit.

Als Ärzte, Therapeuten und Angehörige der Heilberufe sehen wir uns uneingeschränkt dem Wohl des einzelnen Patienten verpflichtet. Diese Verpflichtung dem Wohl des einzelnen Patienten gegenüber, der in seiner persönlichen Not unsere Hilfe sucht, darf nicht staatlichen oder kommerziellen Interessen untergeordnet werden.

Als Vereinigung wenden wir uns an alle Ärzte, in der Anstellung und in der Niederlassung, an Haus- und Fachärzte, Zahnärzte, Therapeuten, Apotheker, Medizinstudenten und alle Vertreter der Heilberufe, die sich für die Freiberuflichkeit, dem Erhalt der mittelständischen Struktur des ambulanten Gesundheitswesens und die freie Selbstbestimmung des Patienten in der Wahl seines Arztes, Therapeuten und Apothekers einsetzen. Wir betrachten dies als die Grundlage eines humanen Gesundheitswesens. Wir kämpfen deshalb gleichermaßen gegen eine bürokratische Staatsmedizin, wie auch gegen eine monopolistischen Konzernmedizin mit Discounter-Versorgung für die Patienten. Und wir wehren uns gegen eine fortschreitende Zerstörung des ärztlichen Berufsstands!

Wir sind uns bewusst, dass es in dem Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen des Individuums und der Gesellschaft keine perfekten Lösungen geben kann, sondern immer nur Kompromisse. Dies gilt auch in dem sensiblen Bereich des Gesundheitswesens. Die Gesellschaft - und damit das Gesundheitswesen - ist im ständigen Wandel. Das Gesundheitswesen muss sich laufend neuen Herausforderungen stellen, allein schon durch die Fortschritte der Wissenschaft und dem demographischen Wandel der Bevölkerung. Wir sind offen für neue Wege, und bereit, uns den Aufgaben der Zukunft zu stellen. Aber diese Wege können nur einem demokratischen und transparenten politischen Entscheidungsprozeß errungen werden, in den alle Bürger einbezogen sind. Dabei müssen die legitimen Interessen der Gesamtgesellschaft und des Staates, auch was die Kosten und die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens anbetrifft, und die berechtigten Interessen der unmittelbar Betroffen, der Patienten, wie auch der Ärzte und Leistungserbringer, berücksichtigt und in einen fairen Ausgleich gebracht werden. D.h. der Ansprüche der Patienten auf eine optimale und jederzeit erreichbare Versorgung im Krankheitsfall, und der Ansprüche der Ärzte und Leistungserbringer auf angemessene Vergütung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Wir nehmen nicht mehr hin, dass praxisferne Ministerialbeamte und „Gesundheitsexperten“ aus der Politikberaterszene unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Weichen im Gesundheitswesen stellen, beeinflusst von Lobbyisten von Klinik-Konzernen und der Gesundheits-Industrie, und flankiert von interessengeleiteten Desinformationskampagnen in den Medien! Wir tolerieren nicht mehr, dass in dem gesellschaftspolitisch zentralen Bereich des Gesundheitswesens vollendete Tatsachen geschaffen werden, ohne echte demokratische Legitimation und am Willen der Mehrheit der Bürger vorbei.

Politische Entscheidungsträger, Ministerialbürokraten, und Gesundheitsökonomen ohne persönliche Kenntnis der realen Patientenversorgung dürfen nicht mehr die alleinige Entscheidungshoheit über die medizinische Versorgung der Bevölkerung und über die Arbeits- und Existenzbedingungen der Ärzte, und Heilberufler und aller im Gesundheitswesen Beschäftigten haben! Die Patienten, wie auch die Ärzte und Leistungserbringer im Gesundheitswesen, müssen ein echtes Mitspracherecht in den sie existentiell betreffenden Belangen bekommen.

Skandalöse Vorgänge, wie die Verabschiedung des GKV-WSG im März 2007, bei dem ein Gesetzeskonvolut von rund 500 Seiten den Abgeordneten des Bundestags in endgültiger Fassung erst am Vorabend der Abstimmung zugestellt und mit den Stimmen der Großen Koalition gegen alle begründeten Einwände der parlamentarischen und außerparlamentarischen Opposition unter rein parteitaktischen Gesichtspunkten durch gewunken wurde, dürfen sich nicht mehr wiederholen! Der Politik-Stil, den insbesondere das Bundesgesundheitsministerium unter der Amtsführung von Ulla Schmidt in den letzten Jahren gezeigt hat, erscheint zunehmend als eine Gefahr für unsere Demokratie!

Wir lassen nicht mehr zu, dass unserer Berufsbild und Selbstverständnis als Ärzte und Therapeuten von fachfremden „Experten“ aus dem Bereichen der Ökonomie, Politik- und Sozialwissenschaften definiert und schrittweise demontiert wird. Wir dulden nicht, dass die Freiberuflichkeit von höchster Stelle verächtlich als „Ideologie“ abgetan wird, denn die Freiberuflichkeit ist letztlich der Garant für das uneingeschränkte Vertrauensverhältnis der Patienten, ohne das eine menschliche, und letztlich auch heilende Medizin nicht möglich ist.

Wir Ärzte, Therapeuten und Heilberufler werden uns in der Diskussion um das Gesundheitswesen wieder Gehör und Respekt verschaffen. Wir werden als ernst zu nehmende und gleichberechtigte Partner gegenüber der Politik auftreten. Dazu suchen wir die konstruktive Zusammenarbeit mit politischen Kräften, bei denen wir eine Aufgeschlossenheit für unsere Ziele erwarten.

Wir unterstützen daher auf der parteipolitischen Ebene die FDP, in deren Selbstverständnis und Programm wir unsere Ziele wiederfinden. Wir sind aber offen und diskussionsbereit allen politischen Strömungen gegenüber, denen an einer konstruktiven Gestaltung des Gesundheitswesens für die Menschen gelegen ist. Unsere Vereinigung ist unabhängig und nicht parteigebunden. Zur Mitarbeit in der Vereinigung liberaler Ärzte ist jeder Angehörige der Heilberufe aufgerufen, der mit unseren Zielen einig ist, unabhängig von Parteizugehörigkeit und sonstiger politischer Präferenz.



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